Reisebericht von Enrico Daleiden
Normalerweise reisen meine Frau Kathrin und ich Ende Mai nach Holland und nutzen dies dann für ein paar Tage zum Raubfischangeln am Eiselmeer. Da uns aber der oft kräftige Wind dort unsere letzten drei Angeltouren quasi vom Winde verweht hat, haben wir uns diesmal entschlossen etwas Neues auszuprobieren. Neben Norwegen, Schweden und den Rügener Bodden musste es doch noch ein anderes tolles Revier geben das erfolgreiches Hechtangeln erlaubt, möglicher weise in Deutschland liegt und mit dem Motorboot befahren werden kann. Wenn sich das Ganze dann noch mit weiteren Freizeitaktivitäten verbinden läßt wäre der kurze Urlaub perfekt.
Nach befragen unserer Clubmitglider kam dann nur die Mecklenburgische Seenplatte in Frage. Mit ihren hunderten beangelbarer Seen, hervorragendem Hechtbestand, vielerlei Möglichkeiten der Freizeitgestaltung und der Möglichkeit mit dem Motorboot angeln zu gehen, war das Reiseziel klar: Die Müritz, Deutschlands größter Binnensee. Auch eine Unterkunft war schnell gefunden. Das Internet hat ja glücklicher Weise alles fein aufgelistet.
Da aber auch die Müritz fast 400 km von uns entfernt ist und es sich im Dunkeln gut fahren läßt, klingelte der Wecker dann frühs 6 Uhr . Nach knapp 4 Stunden Fahrt in Röbel Müritz angekommen, hieß es nach dem Einchecken in das Ferienhaus und ansehen des Motorbootes erst mal für die nächsten drei Tage wegen viel zu viel Wind das angelfreie Freizeitprogramm abzuspulen. Erkundungstouren mit dem Fahrrad, Besuch des Müritzeums und der zufällig stattfindenden Regattawochenende “Müritz-Sail” sorgten für ein interresantes Programm. Am Montag dann der erste Angeltag. Wir waren nach Gesprächen mit dem Vermieter und des Angelshopinhabers in Röbel sehr Optimistisch. Mit Seekarte und Infos der der Lokalen bewaffnet starteten wir vor Sonnenaufgang. “Sucht Euch K rautfelder, dann findet ihr auch die Hechte” war der wichtigste Tipp des Vermieters.
Gesagt, getan, aber auf dieserrisig großen Wasserfläche kein leichtes Unterfangen. Der Rand des ersten Krautfeldes blieb ohne Kontakt, aber bereits beim zweiten zappelte es. Erst konnte meine Frau einen ca. 70er Hecht landen, ein paar Minuten später dann die große Überraschung: Auf meinen größten Wobbler stieg ein kräftiger Barsch ein, der ohne Zweifel der größte ist den ich bisher gesehen geschweige denn selbst fangen konnte, er maß 48,5cm.
Gegen Mittag fingen Kathrin und ich jeweils noch zwei kleine mindermaßige Hechte, bevor gegen Nachmittag dann die große Flaute einsetzte. Es dreht der Wind dann um 180°, und wir konnten nur noch einen kleineren Barsch überlisten. Am Dienstag dann ein ähnliches Bild. Vormittags bei wenig Wind konnten wir mit zwei Hechten und einem guten 30er Barsch den Tag beginnen.
An dem Angelplatz an dem wir bereits am Vortag erfolgreich waren packte ich dann den größten sinkenden Jerk aus, zu dem ich ja eine gewisse Hassliebe habe. Nach unserem Norwegentrip vom März weißt er zwar die eine oder andere Bißspur auf, wartet aber noch auf den ersten deutschen Hecht. Nach ein paar Würfen kam dann der ersehnte Biss. Im glasklaren Wasser ist die Größe des Fisches schon früh im Drill erkennbar, und nach gelungener Kescherung zeigte das Maßband 89cm. Na also – geht doch…
Wir wiederholen den Wurf, denn wo ein Hecht steht ist oft noch ein zweiter. Und siehe da, an der gleichen Stelle biß bei Kerstin erneut auf einen ähnlichen Köder der nächste gute Hecht von 85cm.
Diesen Tag brachen wir dann am späten Mittag ab, da die Hitze und die große Wasserfläche wenig Erfolg für die nächsten Stunden versprechen. Normalerweise kein Grund für einen Hechtangler zum Einpacken, aber die lästigen Eintags- oder sonstwie- Fliegen zwingen uns zur Kapitulation. So ein Nachmittag in der Eisdiele ist ja auch nicht schlecht.. lecker…
Der nächste Tag war eigentlich als Freizeittag geplant, aber wir entschließen uns zu einem Tagesablauf wie am Vortag. Bis zum Mittag können wir erneut 4 Hechte bis ca. 70cm raus holen, am Nachmittag besuchten wir dann einen Bärenpark in der Nähe.
Den Donnerstag ankerten wir dann in das Quappengewässer der Seenplatte, dem Kölpinsee. Durch einen Kanal mit der Müritz verbunden, können wir auch dort mit unserem Boot einfallen.
“Hier sind die Hechte etwas kleiner als in der Müritz, man muß sich nur zu den großen durchangeln” habe ich noch die Worte eines Lokalen im Ohr. Das die Hechte dann aber so klein sind hätten wir nicht gedacht. Da der Kölpinsee ein riesiges Krautfeld ist, bietet es sich an hier viel zu driften und Kanten zu suchen. Das Echolot zeigte hier nichts hilfreiches an. Ab und zu knallte es neben uns auf der Wasseroberfläche. Als es ca. 40m vom Boot entfernt einen lauten Platsch gibt denke ich gleich an einen raubenden Barsch oder Hecht und werfe meinen Gummifisch sofort über den Einschlag hin. Noch wärend des Absinkens kommt der erste starke Biss, und dann beginnt die große Gegenwehr. Der Fisch kämpft stark und geht sogar mehrmals über die hart eingestellt Bremse. Ich freue mich über den großen Fisch, als das Spiel kurze Zeit später vorbei ist. Leider ist er mit meinem kleinen Gummiefisch auf und davon. Meine Laune bessert sich aber auch nicht als ich noch einen guten Hecht kurz nach dem Biss verliere. Aber einige Zeit später ist das alles vergessen, denn ich kann noch einen 99cm großen Hecht überlisten.
Der Freitag war unser letzter Urlaubstag und startete wie der Vortag, kleine Hechte bissen regelmäßig. Kathrin hat sich den ganzen Vormittag gesonnt und konnte mein Fieber nicht verstehen. Ich wollte doch nur einen Meter Hecht rausziehen. Ja der Kölpinsee… Der größte Hecht des Tages mist zwar nur 77 cm, kämpfte aber, wie viele Hechte bei den aktuellen Wassertemperaturen von ca. 17°, sehr stark und ausdauernd.
Fazit dieses Angeltrips:
Wir haben ein tolles Angelrevier in wunderschöner Natur für uns entdeckt, das aufgrund seiner Größe aber nicht ganz leicht zu beangeln ist. Mit der gewissen Ortskenntnis (dank an unseren Vermieter Jörn und den Nachbarn Peter) sollten regelmäßig gute Fänge möglich sein. Kleine und auch große Fische sind auf jeden Fall vorhanden, auch während unseres Aufenthaltes konnten die andere Gäste unseres Ferienhauses Meterhechte. Ein Guide ist möglicher Weise doch recht hilfreich.
Dies war bestimmt nicht unser letzter Angeltrip an die Müritz, vor allem wegen der nicht endenden Möglichkeiten. Zum einen gilt allein die Angelkarte der Müritz für weitere umliegende Gewässer, zum Anderen gibt es dort wegen des großen Hechtbestande keine Hechtschonzeit.